Unterführung mit Hindernissen
Frankfurt Hauptbahnhof. Die Außenklimaanlage für Frankfurt ist auf gefühlte 30 Grad Celsius eingestellt. Mein Deo hat seine Arbeit eingestellt. Schweißperlen rinnen über meine Stirn. Jede Form von Bewegung empfinde ich als lästig. Ich stehe am Gleis 7 und warte auf meinen Zug.
Ein bolivianischer, chilenischer, irgendwie lateinamerikanischer tourist signalisiert mir, dass ich von ihm und dem Zug ein Bild machen soll. Okay, auf das Handy tippen schaffe ich. Trotz Hitze!
Ich mache das Bild und bitte ihn um Prüfung. Im Bahnhof ist genau ein Schattenfleck und genau da steht er nun. Ich mache noch 2 Bilder (trotz Bewegungszwanges), er nickt ab, ich stelle mich wieder regungslos auf den Bahnsteig. Auf meinem Bahnsteig erfolgt eine Durchsage. Der Bahnangestellte schreit in das Mikrofon, man versteht nur nicht, was er sagt. Der Ton ist übersteuert und es hallt im Bahnhof. In der Folge rührt sich auch niemand (!) auf dem Bahnsteig. Die elektronische Anzeigetafel zeigt jetzt allerdings an, dass der Zug in geänderter Wagenfolge fahren wird und am Gleis 13. Wäre ja auch merkwürdig, wenn ich mal eine normale Fahrt hätte. In Frankfurt gibt es zum Glück in der Bahnsteigmitte eine Unterführung, die direkt von Bahnsteig zu Bahnsteig führt. Man muss also nicht zum Kopfende des Bahnhofs und zurück laufen. Eigentlich…
Die Unterführung erinnert mich an die Katakomben Wiens in „“Der dritte Mann“. Wenn ich jemand umbringen will, dann bitte hier. Der Uringestank ist kaum zu ertragen. Am Gleis 13 habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Treppe zum Bahnsteig ist abgesperrt wegen Bauarbeiten, die Absperrung geht aber nicht bis zur Wand. So quetschen sich die Fahrgäste durch den Spalt, kämpfen sich die Treppe hoch und stolpern über den unfertigen Bodenbelag durch einen weiteren Spalt im anderen Bauzaun auf Gleis 13.

Geschafft. In jeder Hinsicht. Ich wollte mich eigentlich nicht mehr bewegen, war doch eigentlich mein Plan.
Ich stehe nun außen am Zug und versuche das elektronische Display zu lesen. Ist das mein Zug? Rote Schrift auf schwarzem Hintergrund ist bei direktem Sonnenlicht nicht mal im Ansatz zu erkennen. Ich mache mit dem Oberkörper merkwürdige Bewegungen in alle Richtungen, damit ich eine bessere Perspektive bekomme. Der gefühlte Balz-Tanz vor der beschwipsten Mädchentruppe (Junggesellinnenabschied) bleibt zum Glück unbemerkt.

Ein Mädel beschwert sich, dass sie jetzt im letzten wagen des zuges sitzen. Naja, es ist halt ein Kopfbahnhof, da gibt es nur eine Richtung. Mädel, du sitzt im ersten Wagen. Glaube es mir.
Ich schaue, dass ich in einem anderen Wagen sitze. Ab jetzt bewege ich mich wirklich nicht mehr.
Ausstieg in Köln. Ich suche die Straßenbahnlinie 4 sehe auf dem Vorplatz des Bahnhofs aber keine Schienen. Neben mir hockt ein Teenager, ich frage: „kannst du mir sagen wo die Straßenbahn fährt?“. Die vermeintlich junge Dame schaut auf. Sie ist eher über 40, der Pferdeschwanz machte sie jünger. Duzen war eigentlich nicht angebracht. Sie kann mir auch nicht helfen.
ich wende mich an einen alten Herren, der vor dem Bahnhof steht. Er winkt vielsagend und greift in die Tasche und hält sich ein Gerät. An den Kehlkopf, um sprechen zu können. Ich bin noch irritiert, aber die schnarrende Beschreibung ist gut. Ich finde die Straßenbahn.


